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Wir reagieren auf vermeintliche Anschuldigungen & Vorurteile, die im Internet zu finden sind

Aktualisiert: Aug 15


Als Stadtmensch ist man heutzutage häufig mit der Gegenwart von Pferden nicht mehr vertraut. Umso häufiger sind wir heute nicht immer ganz sachlicher Kritik ausgesetzt. Viele dieser Vorwürfe lassen sich mit einer einfachen Auseinandersetzung mit dem Thema Pferd und mit den tatsächlichen Bedingungen, unter denen unsere Tiere ausgebildet werden und leben aus dem Weg schaffen.


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Das Leiden der Tiere

Pferde sind Fluchttiere, die bei lauten Geräuschen weglaufen würden. Im Stadtverkehr ist dies natuürlich nicht moöglich. Die Tiere sind dauernd reizüberflutet und fristen ein völlig unnatürliches und belastetes Leben inmitten von Großstädten.

Unser Kommentar: Das Pferd wurde bereits vor ca. 6.000 Jahren domestiziert und begleitet den Menschen seit jeher in seinem Lebensraum. Im 21. Jahrhundert werden 99% aller Pferde vom Menschen gehalten und sind dementsprechend auch in deren Umfeld integriert. Natürlich zählt eine Stadt nicht zum ursprünglichen Umfeld eines Pferdes, dennoch gelten Pferde als dementsprechend anpassungsfähig und haben sich auch über die letzten Jahrhunderte durchaus verändert. Lediglich 1% aller 60 Millionen Pferde dieser Erde sind noch Wildpferde – berechtigter Weise muss man an dieser Stelle auch die Frage stellen, wie viel Stress ein Pferd wohl in der freien Wildbahn hat? Wo es dort oft bis zu 100 Kilometer täglich zurücklegen muss, um eine Futter oder Wasserstelle zu finden, wo es in der freien Wildbahn ständig angespannt ist und darauf achten muss, dass es nicht von natürlichen Predatoren attackiert wird. Im menschlich-urbanen Umfeld, welches das Pferd kennt und in dem seltener unerwartete Ereignisse eintreffen hat das Pferd gleichzeitig auch Vertrauenspersonen (Kutscher, Pfleger, etc.) permanent um sich und wird beinahe rund um die Uhr versorgt. Wichtig bei der Integrierung eines Pferdes in ein neues Umfeld ist immer das Vertrauen zur Bezugsperson und Zeit.

Ergänzungen:

  • Die Pferde brauchen in ungewohnten Situationen eine Obhut – ist die Vertrauensperson, also der Kutscher ruhig, sind die anderen Pferde ruhig, sieht das Pferd auch keine Gefahr, vor der es fliehen müsste.

  • Das zweite Pferd, der vertraute Partner, gibt zusätzliche Sicherheit.

  • Ein Pferd, das in dem Trubel eine Entspannungshaltung einnimmt, ist sicher nicht gestresst und will fliehen.

Während des Fahrbetriebs Bewegungseinschränkung: Die Pferde müssen jederzeit abfahrbereit, also immer angeschirrt sein. Während dieser Zeit können sie niemals einen freien Schritt machen. Unser Kommentar: Als ursprüngliches Fluchttier hat ein Pferd rein anatomisch kein Problem damit sich jederzeit, auf Abruf zu bewegen und legt sich ohnehin nur selten zu Boden. Der Vorwurf der Bewegungseinschränkung ist nicht ganz treffend, da das verwendete Brustblatt-Geschirr im Vergleich zum schwereren Kumtgeschirr wesentlich mehr Bewegungsfreiheit gewährleistet. Ein Vergleich zu einem Hund an der Leine erscheint treffend, da sich dieser auch nur dann so bewegen kann, wie es der Mensch vorgibt. Pferde sind ebenfalls domestizierte Tiere wie Hunde und beide stehen seit Jahrtausenden im Dienste des Menschen und haben ihre Verhaltensweisen auch dementsprechend angepasst.

Langes Stehen ist ungesund: Pferde sind Fluchttiere. Ihr ganzer Körper ist auf viel Bewegung angepasst. Ewiges Stehen führt zu Problemen im Bewegungsapparat der Pferde.

Unser Kommentar: Die Behauptung, dass der Körper eines Pferdes auf Bewegung ausgelegt ist, ist freilich absolut korrekt. Auch, dass zu langes Stehen für Pferde Probleme verursachen kann ist ein Fakt. Allerdings hat ein Fiakerpferd ein relativ ausgeglichenes Verhältnis an Steh- und Gehzeit, nachdem die Pferde gegen 11 Uhr am Fiakerstandplatz eintreffen, mehrere Rundfahrten zwischen 20-60 Minuten täglich machen und dabei im Schritttempo unterwegs sind. Domestizierte Pferde sollten sich ca. 40 Kilometer täglich bewegen – was jedoch kaum ein privat gehaltenes Pferd tut. Auch auf der Koppel bewegen sich die Pferde nicht in diesem Ausmaß – denn dort gibt es für das Pferd keinen Anlass sich zu bewegen, nachdem es dort nicht selbst ein riesiges, Quadratkilometer großes Areal für die selbstständige Futtersuche zur Verfügung hat und das Pferd ohnehin weiß, dass es Futter und Wasser vom Menschen bekommt.


Gelenkprobleme durch Gehen auf Asphalt: Die Pferde müssen durchwegs auf Asphalt gehen. Das hat gesundheitsschädigende Auswirkungen auf die Beine und Gelenke.

Unser Kommentar: Die Fiakerpferde sind zu 90% in einem langsamen Schritttempo (etwa 5 km/h) unterwegs – eine Bewegungsform, die nachweislich keine negativen Folgen auf die Gelenke der Pferde hat und der natürlichen Bewegung des Pferdes am nähesten kommt (Aussage lt. Dr. Isabella Copar). Unsere Tiere haben bis ins hohe Alter (unsere Rentner sind bis zu 35 Jahre - etwa. 105 Menschenjahre alt) weniger Huf- und Gelenkprobleme als Freizeit- oder Turnierpferde. Durch das gerade Aufsetzen der Hufe benötigen die Tiere keine zusätzlichen Muskeln, um sämtliche Gelenke zu stabilisieren, weshalb man bei Fiakerpferden auch nur in Ausnahmefällen Gelenkbandagen sieht, die im Turniersport Gang und Gebe sind. Ein bisschen kann man dies auch mit Menschen vergleichen – das normale Gehen auf Asphalt hat keine negativen Einflüsse auf die Gelenke, Joggen hat jedoch längerfristig bei falschem Schuhwerk häufig Gelenkprobleme oder sogar Haltungsschäden zur Folge.

Fellabschürfungen: Viele Pferde haben Fellabschürfungen, wenn das Geschirr nicht passt oder das Pferd unsachgemäß oder zu lange angeschirrt war.

Unser Kommentar: Haarausfall oder leichte Fellabschürfungen sind durchaus nichts schmerzhaftes und ebenfalls kein "Fiaker-Phänomen". Vor allem bei weißen Pferden (Lipizzanern) ist das keine Seltenheit, da deren Haut keine Farbpigmente besitzt kommt es schnell vor, dass unter den weißen Haaren die dunkle Haut des Pferdes zu sehen ist.

Ergänzungen:

  • die Abschürfungen entstehen z.B. auch wenn beim Wälzen auf der Koppel oder Wiese, wenn dort etwa Steinchen liegen.


Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze: Die Pferde stehen auf ihren Standplätzen im Sommer meist in der prallen Sonne. Oft wird das damit abgetan, dass Pferde Steppentiere wären, die die Sonne lieben und ihre Körpertemperatur gut regulieren können. Das ist zwar richtig, aber sie leben nicht in ihrer natürlichen Umgebung. In der Steppe würden sie kühlere Plätze aufsuchen, an ihren Standplätzen in Wien stehen sie den ganzen Tag eingespannt in ihr Geschirr. Auch die zusätzliche Hitzebelastung der Stadt darf nicht unterschätzt werden. Durch den Asphalt und die Häuser wird enorme Hitze abgestrahlt. Außerdem können die Pferde nicht immer trinken, wenn sie durstig sind, sondern nur dann, wenn der/die Fiaker-Fahrer:in Wasser bereitstellt, was nicht artgerecht ist.

Unser Kommentar: Dass Pferde die Sonne lieben, ist eine andere Art der Pauschalisierung – denn auf darauf wirken auch individuelle und rassetypische Eigenschaften ein. Dennoch kann man sagen, dass die von uns eingesetzten Pferde (größtenteils Ungarische Nonius und Lipizzaner) mit der Hitze für gewöhnlich besser zurechtkommen als der eine oder andere Kutscher. Gleiches gilt auch für die Behauptung, dass Pferde in freier Wildbahn bei Hitze kühlere Orte aufsuchen. Auch dies ist eine viel zu pauschale Aussage, die der Individualität unserer Pferde nicht ganz gerecht wird.

Pferde auf der Koppel an einem sommerlichen Tag mit 31 Grad - Fiakerpferdehof, Arbesthal, NÖ.

Zudem bekommen die Tiere in den Stallungen dauerhaften Zugang zu Trinkwasser. Im Stadtverkehr ist das natürlich nicht möglich. Es wird ihnen am Standplatz jedoch immer mehr als Wasser angeboten (bis zu 60 Liter pro Tag) als sie tatsächlich trinken. Als Steppentier wäre der dauerhafte Zugang zu Wasser mehr als Luxus, denn in freier Wildbahn wird immer dann getrunken, wenn man an eine Wasserstelle kommt. Generell kann man relativ leicht feststellen, ob ein Tier gut hydriert und seine Temperatur gut reguliert ist. Pferde können nämlich im Gegensatz zu Hunden schwitzen. Wenn man den Kutscher anspricht, darf man sicher mal anfassen, ob es schwitzt (immer den Kutscher vorher fragen, nicht alle Pferde mögen es, von Fremden gestreichelt zu werden).


Lärm und Straßenverkehr: Das Pferd ist ein Fluchttier, es verwendet seine Sinne, um Gefahren zu orten. Um den Fluchtreflex der Pferde zu minimieren, werden die Augen mit Scheuklappen und die Ohren mit Ohrstöpsel versehen. Das ist für die Tiere eine starke Einschränkung.

Unser Kommentar: Dass, das Pferd seine Sinne verwendet um Gefahren zu orten ist natürlich völlig richtig. Genau aus diesem Grund verfügt das Pferd auch über eine Vielzahl an Eigenschaften, dies ermöglichen. Beispielsweise können Pferde mit Hilfe ihrer Hufe oder Ohren Geräusche oder Vibrationen in Bilder umwandeln, wodurch diese evtl. Gefahren weitaus früher erkennen können, bevor diese überhaupt ins Sichtfeld des Pferdes getreten wären. Die sogenannten "Scheuklappen" dienen in erster Linie nicht um den Fluchtreflex des Pferdes zu minimieren - diese sind in erster Linie in einem Doppel-Gespann notwendig, um dem Kutscher die gezielte Peitschenhilfe zu ermöglichen. Denn um den Rhythmus, Geschwindigkeit, oder die Zugkraft separat von den jeweiligen Pferden beeinflussen zu können ist es wichtig, dass sich diese nichts gegenseitig abschauen können. Denkt man logisch über die These des Verkehrs nach, kommt man zu der Erkenntnis, dass sich Fahrzeuge auch oft frontal nähern und die Pferde in diesem Fall ebenfalls nicht ängstlich reagieren. Die Peitschenhilfe hat übrigens nichts mit dem Bild eines knallenden, schmerzhaften Peitschenhieb zu tun – die Peitsche wird mehr als eine verlängerte Hand des Kutschers genutzt, um dem Pferd damit einen Hinweis zu geben.


Fiakerpferde während eines Rettungseinsatzes am Stephansplatz. Gespanne & Kutscher sind entspannt.


Ohrenstöpsel oder Ähnliches gehören in den Bereich der Mythen – einige Kutscher setzen zwar Hauben für die Ohren ein, die das traditionelle Bild der Kutsche vervollständigen sollen und präventiv gegen einen Befall von Fliegen oder Mücken dienen, die schränken das Gehör der Pferde allerdings nicht ein. Würde man dies tatsächlich so einsetzen und die Pferde komplett sensorisch isolieren, hätte man permanent nervöse Tiere, die bei jedem plötzlichem (und vorab nicht wahrgenommenem) Kontakt scheuen würden. Man kann das übrigens relativ leicht durch Beobachtung der Ohren ausschließen – man merkt an den Bewegungen der Ohren, wie die Pferde ständig ihre Umgebung wahrnehmen.


Fiakerpferde und ihr Hufbeschlag: Am Beschlag der Fiakerpferde sind oft Mängel festzustellen: Nur ein paar Fiakerpferde haben Dämpfungen zwischen Huf und Eisen, was beim Gehen auf hartem Asphalt eine Schonung der Hufe und der Gelenke mit sich bringt. Leider ist diese Dämpfung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Oft versuchen die Halter:innen die Beschlagsperioden möglichst lang hinauszuzögern. Bei Fiakerpferden werden die Eisen mit 8 statt mit 6 Nägeln am Huf befestigt, damit sie diese nicht so leicht verlieren. Der Griff, ein Eisensteg am Hufeisen, soll dazu dienen, dass die Fiakerpferde weniger rutschen. Doch dadurch steht das Pferd nur auf 3 Punkten, wodurch es einen schlechteren Halt hat.

Unser Kommentar: Generell ist das Gehen auf Asphalt keine Belastung für die Tiere und deren Gelenke. Auf Asphalt können die Pferde im Vergleich zu Rennbahnen oder Koppeln ihren Huf gerade aufsetzen. Dadurch müssen die Pferde keine Unebenheiten des Untergrunds mit zusätzlichen Muskel- oder - Sehenbeanspruchungen ausgleichen. Das ist auch der Grund, warum man im Sportbereich bei Pferden oft Gelenksstützen und Bandagen sieht. Bei Fiakerpferden ist das eher eine Seltenheit, da diese auch keine körperliche Höchstleistung bringen. Der Beschlag der Hufe variiert und ist nicht alleine an der Tatsache, dass es sich um ein Fiakerpferd handelt festzumachen. Wie viele Nägel notwendig sind um den Huf des Pferdes sicher zu beschlagen beschließt der Hufschmied selbst und ist von mehreren Faktoren abhängig (Trieb des Hufes, Zustand des Eisens, etc.). Der "Griff" oder sogenannte Bolzen werden auch völlig unterschiedlich an Hufeisen angebracht. In vielen Fällen können diese Bolzen Fehlstellungen mit unter korrigieren und als eine Art "Einlage" fungieren. Zusätzlicher Halt ist dadurch auch oft gegeben - vor allem am Kopfsteinpflaster - dort kann das Pferd mit den Bolzen in die Rillen treten. Also eher das Gegenteil der Behauptung ist der Fall. Dennoch ist auch der Einsatz von Bolzen ganz individuell abgestimmt und nicht für alle Pferde zu pauschalisieren/förderlich.



Fehlstellungen: Oft werden billige Pferde aus östlichen Ländern für den Fiakerbetrieb gekauft, die dann solange eingesetzt werden, bis sie körperlich komplett verbraucht sind. Darunter findet man immer wieder Pferde mit starken Fußfehlstellungen. Für diese Tiere ist das ständige Gehen auf Asphalt eine zusätzliche Belastung.

Unser Kommentar: Die Fehlstellung oder etwaige andere äußerliche, gesundheitliche Merkmale von Fiakerpferden werden regelmäßig durch die MA60 direkt am Fiakerstandplatz und in den Stallungen kontrolliert. Kontrollen finden am Standplatz wöchentlich statt und 2x jährlich direkt in den Stallungen.


Maulkörbe: Fiakerpferde bekommen oft Maulkörbe umgebunden. Einige Pferde sind der völlig unnatürlichen Belastung nicht gewachsen. Sie werden aggressiv und schnappen nach Passant:innen oder nach ihren Pferdenachbarn.

Unser Kommentar: Bei vermeintlichen Maulkörben handelt es sich zumeist um Futterkörbe, in denen die Kutscher zusätzliches Futter für die Pferde mitführen. Diese können dann um das Maul der Pferde geschnallt werden, sodass dieses entspannt fressen kann. Dass Pferde gelegentlich nach Passanten oder ihren Pferdenachbaren schnappen liegt nachweislich jedoch nicht an einer "unnatürlichen Belastung" sondern viel mehr daran, dass es bei Pferden genauso wie bei Menschen unterschiedliche Charaktere gibt. Viele Menschen respektieren den Zuruf der Kutscher oft nicht, wenn diese meinen, dass das Pferde nicht gestreichelt werden möchte. Generell gilt: Es ist immer der Kutscher zu fragen, bevor man ein Pferd berührt. Denn dieser kennt seine Tiere und die aktuelle Gemütslage am Besten. Wenn sie also der 500. sind, der das Pferd heute streicheln möchte, ist es eher verständlich als verwerflich, dass dieses vielleicht im Moment keine Lust auf Liebkosungen hat. Das Schnappen nach dem Pferdepartner kann dagegen oft ganz andere Gründe haben und ist viel komplexer und auf die Kommunikation zwischen Pferden zurückzuführen. Pferde kommunizieren auf bio-energetischer Ebene (Art der Gehirnfrequenz). Diese drücken ihr Befinden also nicht durch sprechen, bellen, miauen o.ä. aus. Daher kann es sein, dass dem Schnappen auf den Kollegen ein für den Menschen nicht wahrnehmbarer Reiz des anderen Pferdes vorausgegangen ist. Nicht zwingend ist dieser Reiz negativ. Das Schnappen kann auch oft als Necken auf spielerische Art interpretiert werden. Vor allem jüngere Pferde spielen und interagieren so gerne mit ihren Partnern.



Stundenlanges Stillstehen: Als einzige Abwechslung bleibt das Beknabbern des Geschirrs. Einige Pferde können sich nie an die Belastung gewöhnen, diese sollten aus dem Fahrbetrieb genommen werden. Stattdessen verpasst man ihnen einen Maulkorb, um sie wieder einsatzfähig zu machen. Die Maulkörbe sind aus Plastik oder aus Leder mit Löchern oder Ritzen. Sie erschweren die Atmung und die Pferde sind in ihrem Sozialverhalten noch stärker eingeschränkt. Da das Tierschutzgesetz in § 5 (2) 10. verbietet, ein Tier einer Bewegungseinschränkung auszusetzen, sind Maulkörbe bei Pferden verboten.

Unser Kommentar: Die Fiaker-Betriebe setzen in Wien grundsätzlich KEINE Maulkörbe ein. Generell werden sie in der Pferdewelt genutzt, um unbeaufsichtige Pferde auf Koppeln davor zu bewahren, giftige oder tödliche Gräser oder Kräuter zu fressen. Dass deren Einsatz rechtlich verboten sei, ist sachlich falsch, da dieses Gesetz auf Bundesebene und somit auch für andere Tiere, wie Hunde, gelten würde. Und grade hier sind sie in zahlreichen Fällen sogar vorgeschrieben und verpflichtend.


Schweif anbinden: Immer öfter wird den Pferden der Schweif am Gespann festgebunden, um zu verhindern, dass sie mit dem Schweif die Leine erwischen und festhalten. Für die Pferde ist dies eine starke Einschränkung in ihrem Verhaltensrepertoire und in ihrem Wohlbefinden, da sie den Schweif u.a. auch verwenden, um lästige Fliegen zu verscheuchen. Da das Tierschutzgesetz in § 5 (2) 10. verbietet, ein Tier einer Bewegungseinschränkung auszusetzen und in § 13 (3) vorgeschrieben ist, dass Tiere so zu halten sind, dass ihre Körperfunktion und ihr Verhalten nicht gestört werden, ist auch das Schweifanbinden verboten.

Unser Kommentar: Beim sogenannten „Schweifanbinden“ handelt es sich laut eines uns vorliegendem Gerichtsurteils nicht um eine Bewegungseinschränkung und somit auch nicht gegen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Es wird viel mehr eingesetzt, um zu verhindern, dass ein Pferd das andere mit dem Schweif antreibt, damit es die Zugarbeit alleine übernimmt, während das „Alpha“ Pferd nur mitgeht. Man sieht diese Praxis allerdings heute nur noch relativ selten – sie ist jedoch faktisch mit dem Tierschutzgesetz absolut konform.


Unfälle: Die regelmäßig auftretenden Unfälle, die teilweise mit schweren bis tödlichen Verletzungen von Menschen und Tieren enden, beweisen, dass die Fiakerpferde dem Stress nicht gewachsen sind. Kleinste nicht vorhersehbare Zwischenfälle können diese Fluchttiere in Panik versetzen, so dass es für die Kutscher:innen nicht mehr möglich ist, diese Tiere unter Kontrolle zu halten.

Unser Kommentar: Laut den Aufzeichnungen des 4Pfoten Vereins gab es in den letzten 18 Jahren in Summe 24 Unfälle oder Vorfälle im Bereich der Fiaker. Das macht bei rund 400 Fiakerpferden in Österreich (Wien, Salzburg, Krems, Innsbruck) einen jährliche Unfallrate von 0,18%. Im Vergleich dazu gibt es jährlich durchschnittlich etwa 5.900 Unfälle/Vorfälle durch Hunde, bei welchen Menschen ärztlich behandelt werden müssen (Quelle: oesterreich.gv - Freizeitstatistik, Kuratorium Verkehr) – bei 827.000 Hunden in Österreich entspricht das einer Rate von 0,73%. Unfälle/Vorfälle durch Hunde sind also beinahe 4x wahrscheinlicher als durch Fiakerpferde.

Fehlendes Heu: Pferde bekommen an den Standplätzen kein Heu. Das ist sehr schädlich für den Stoffwechsel der Tiere, der eigentlich darauf ausgelegt ist, dass die Tiere normalerweise den ganzen Tag mit der Nahrungsaufnahme verbringen würden.

Unser Kommentar: Die Aufnahme von Heu in der Innenstadt kann als ein möglicher Kritikpunkt gegenüber Fiaker betrachtet werden - dies ist logistisch nicht einfach umsetzbar. Jedoch erhalten die Pferde durchaus auch Futter in Form von Müsli, Obst und Gemüse in der Innenstadt, damit deren Verdauungstrakt angeregt bleibt. Die Fütterung der Pferde hängt ohnehin vom Ernährungsplan der jeweiligen Tiere ab und kann stark variieren. Je nach Form und Zustand des Pferdes wird unterschiedlich gefüttert. Das ist kein Phänomen der Fiaker, sondern wird auch in allen privaten Reitställen oder anderen Pferde-Institutionen so gehandhabt.


Sozialer Aspekt: Die Tiere sind gezwungen, tagein tagaus neben Artgenossinnen zu stehen, die sie sich nicht aussuchen können. Das ist nicht natürlich und entspricht nicht dem komplexen Sozialverhalten der Tiere. In einer natürlichen Umgebung würden Pferde zum Beispiel von rivalisierenden Tieren einfach weggehen bzw. könnten sich bei Streitigkeiten wehren. Angeschirrt an der Kutsche ist dies nicht möglich.

Unser Kommentar: Die Behauptung, dass die Pferde tagein tagaus nebeneinander stehen ist ebenfalls falsch. Da die Pferde 3 gesetzliche freie Tage die Woche haben müssen. Zudem wäre es grob fahrlässig würde man als Fiaker zwei Pferde nebeneinander einspannen, die einander nicht leiden können. Die Pferde würden einander selbst verletzen und nicht harmonieren. Die Paarung/Zusammenstellung der Pferde erfolgt dementsprechend aufgrund deren charakterlichen Eigenschaften und erstreckt sich über einen dynamischen Prozess. Pferde verbringen also ihre "Arbeitstage" unmittelbar mit Artgenossen, die sie auch gut leiden können und haben daher sehr wohl ein intaktes Sozialleben und eine starke Bindung zu Kutscher und dem Partnerpferd. Diese Bindung ist oft so stark, dass ein Pferd auch nervös oder gestresst sein kann, wenn es seinen Partner nicht in unmittelbarer Nähe wahrnehmen, sehen, spüren kann - etwa wenn die Pferde nacheinander auf eine Koppel geführt werden, oder eines der beiden Pferde vorzeitig verstirbt. In natürlicher Umgebung können Pferde entgegen der oben genannten Behauptung auch oft nicht "einfach weggehen" oder sich bei Streitigkeiten wehren. Denn in Herden gibt es klare Strukturen mit allen Vor- und Nachteilen. Pferde verstossen sich oft untereinander, vermeintlich schwächere Mitglieder werden zurückgelassen oder von stärkeren schikaniert. Die Kleingruppen der heutigen Hauspferde (domestizierte Pferde) beim Fiakerfahren sind von diesem Aspekt aus betrachtet wesentlich sicherer und angenehmer für das Pferd, da es sich nicht vor unerwarteten Umständen oder Handlungen von rivalisierenden Artgenossen fürchten muss.


In der Freizeit Kein freier Auslauf auf Koppeln: Das Gesetz schreibt den Pferden zwar einen sogenannten freien Auslauf zu, dieser muss allerdings nur der doppelten Box-Größe entsprechen. Auch ein natürlicher weicher Untergrund ist nicht vorgeschrieben, ein Innenhof auf hartem Asphalt reicht laut Gesetz als „freier Auslauf“ völlig aus. Die Pferde können sich dadurch nie auf natürliche Weise bewegen oder Sozialkontakte pflegen.

Unser Kommentar: In der Tat ist der "freie Auslauf" per Gesetz nicht konkret definiert. Dennoch verfügen die meisten Fiaker-Betriebe über eine Außenkoppel bei ihren Stallungen, die zumeist weitaus größer ist als die doppelte Box-Größe. Einige Fiakerbetriebe haben mehrere Hektar Grünflächen zusätzlich gepachtet oder gar einen eigenen Pferdehof, wo den Pferden ausreichend Auslauf an freien Tagen oder während den Urlauben garantiert werden kann. Zusätzlich sollte man nicht vergessen, dass sich die Pferde während ihrer "Arbeitstage" in einem ausgeglichenen Verhältnis bewegen und an den freien Tagen oft weniger Auslauf brauchen.


Fiakerpferde auf der Koppel, Arbesthal, NÖ

Fehlende oder zu spärliche Einstreu: Den Pferden wird in den Boxen oft keine oder zu wenig Einstreu als Liegefläche zur Verfügung gestellt. Das Liegen auf hartem Untergrund ist unangenehm und schadet der Gesundheit der Pferde.

Unser Kommentar: Im Namen der Wiener Qualitätsfiaker laden wir immer alle Leute gerne zu uns ein, die Stallungen zu besichtigen und sich selbst ein Bild davon zu machen. Denn unserer Meinung nach ist dort weder zu wenig Einstreu vorhanden, noch wird dort gesetzwidrig gearbeitet. Im Gegenteil - die meisten Fiakerbetriebe erfüllen einen sich selbst auferlegten Standard der weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus geht.




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