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Der Fiaker & seine Peitsche – Hintergrundwissen

FIAKER PEITSCHEN NIEMANDEN AUS – VOR ALLEM NICHT DIE PFERDE...


Die vergangenen Skandale aus den letzten Jahren des Pferdesports haben es uns nicht leicht gemacht. Wer hat es nicht in Erinnerung, wie eine Deutsche Reittrainerin im Siebenkampf ihrer Athletin zurief, dass sie einfach „mal richtig drauf schlagen“ soll. Immer wieder wird daher auch uns vorgeworfen, wir würden unsere Fiakerpferde „auspeitschen“ - was uns zeigt, dass den Leuten ein bisschen das Verständnis fehlt, warum wir überhaupt eine Peitsche dabei haben und wofür sie die Fiaker/Kutscher überhaupt einsetzen. Aber der Reihe nach...




Bei unseren Pferden wird schon während der Ausbildung auf das Thema Vertrauen gesetzt. Wir können hier den barocken Reitlehrer von König Ludwig XIV. Nicht oft genug zitieren:

„Auf ein Pferd, das aus Angst gehorcht, ist kein Verlass. Es wird immer etwas geben, vor dem es sich mehr fürchtet als vor dem Reiter. Wenn es aber seinem Reiter vertraut, wird es ihn fragen, was es tun soll, wenn es sich fürchtet.“ – Antoine de Pluvinel (1555-1620)

Es wird dabei nicht gegen den Willen des Pferdes gearbeitet, es wird viel mehr auf eine positive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Pferd und Mensch gesetzt. Ähnlich ist es auch bei der täglichen Arbeit mit unseren Pferden. Dabei müssen die Pferde bei uns auch nicht immer höher, schneller und weiter gehen – denn es geht bei einer Fiakerfahrt ja nicht um Geschwindigkeitsrekorde. Es geht viel mehr darum, die Wiener Innenstadt in einem gemächlichen Schritttempo und aus einer ganz anderen Perspektive genießen zu können.


DOCH WOZU DIENT NUN DIE FAHRPEITSCHE?

Schaut man genau hin, setzen die Kutscher die Peitsche nur sehr sparsam ein und tippen mit dem daran befindlichen Schmiss (die Schnur der Peitsche) auch nur leicht auf an den Rücken oder Flanke des Pferdes, um den Pferden unterschiedlichste Dinge zu kommunizieren, um letztendlich einen gleichmäßigen Rhythmus mit beiden Kutschpferden zu erreichen.

Auf den Punkt gebracht: Die Peitsche fungiert also als eine Verlängerung des Arms. Was beim Fiakerfahren extrem hilfreich ist, da der Kutscher/Fiaker ja nicht auf dem Rücken des Pferdes sitzt und somit auch nicht wie beim reiten mit seinen Innenschenkeln oder durch die Verlagerung des Körpergewichts mit dem Pferd kommunizieren kann.

MIT DER PEITSCHE KANN MAL DEN KUTSCHPFERDEN ALSO BEISPIELSWEISE FOLGENDES KOMMUNIZIEREN:

  • Bitte die Gangart wechseln/ändern (etwas schneller, sowohl als auch langsamer)

  • Komm/geh etwas mehr nach links/rechts

  • Mahnen und loben (!)

  • uvm.

‍Ist euch übrigens schonmal aufgefallen, dass man die Peitschen der Fiaker nie Schnalzen hört (so wie man es vielleicht aus alten Ben Hur oder Western-Filmen kennt)? Das liegt daran, dass schon Kaiser Joseph II. am 1.September 1773 per Dekret das Schnalzen und damit verbundene riskante Überholmanöver in der Wiener Innenstadt verbieten ließ – damals drohten dem Kutscher bei Zuwiderhandlung sogar einhalbes Jahr Zucht und Arbeitshaus.


Fazit: Die Peitsche ist bei uns kein martialisches Folterinstrument für die Pferde, wie es leider vielfach dargestellt wird. Sie ist viel mehr ein Gegenstand, der die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd erleichtern soll. So sollte es sein und so wird es auch bei den Wiener Qualitätsfiakern generell praktiziert.

WICHTIG: Wir schließen nicht aus, dass es in irgendeinem Sinne Schwarze Schafe gibt, die ihre Tiere dennoch schlagen. Das verurteilen wir zutiefst und bitten euch auch, solche Beobachtungen immer dem Veterinäramt (MA60) zu melden.



Quelle: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/zeitreisen/2146294-Stockschlaege-fuer-Schnellfahrer.html



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